Die Marke Sting

Rockstar und Winzer Sting: „Auch Weine müssen eine Geschichte erzählen“

The Police machte ihn bekannt, doch Sting ist mehr als nur Musiker: Als Unternehmer und Inhaber baut er seine Marke seit Jahrzehnten aus. Dazu gehören unter anderem seine Weine aus eigenem Anbau.

Angefangen hat er einst als Lehrer in einer Grundschule im nordenglischen Städtchen Cramlington. Als Student begeisterte er sich für Jazz, spielte abends und an den Wochenenden mit diversen einschlägigen Formationen zusammen, insbesondere mit der Fusion-Band Last Exit – als Bassist und Sänger.

Der Durchbruch mit The Police

Seinen Spitznamen „Sting“ (Stachel) erhielt der 1951 geborene Gordon Matthew Thomas Sumner, weil er mitunter einen schwarz-gelb gestreiften Pullover trug, der ihn angeblich als überdimensionale Wespe erscheinen ließ. 1977 ließ er seinen Job sausen, zog nach London, freundete sich mit dem Drummer Stewart Copeland und dem Gitarristen Henry Padovani an und gründete mit ihnen zusammen die Band The Police, die eine ziemlich individuelle Mischung aus Punk, Reggae und Jazz präsentierte und schnell an Popularität gewann. Nach dem Weggang
von Padovani übernahm Andy Summers die Gitarrenarbeit, und mit den LPs „Outlandos d’Amour“ und „Regatta de Blanc“ stürmte die Gruppe die Charts. Drei weitere Alben und zahllose
Singles wurden globale Bestseller.

1986 löste sich die Band de facto auf. Bereits ein Jahr vorher hatte Sting eine Solo-Karriere gestartet, mit dem Album „The Dream Of The Blue Turtles“. In der Folgezeit entwickelte er eine Vielzahl von Aktivitäten, oft zusammen mit Musikern, die er verehrte und/oder mit denen ihn eine profunde Freundschaft verband: mit dem Jazz-Saxophonisten Branford Marsalis, dem Trompeten-Gott Miles Davis, dem Jazz-Pianisten und Komponisten Gil Evans, dem Pop-Superstar Phil Collins, dem Ex-Genesis-Frontmann Peter Gabriel.

Besonderes Augenmerk widmete Sting im Laufe der Zeit dem, was heute gemeinhin als „Weltmusik“ bezeichnet wird, speziell einer Verbindung von angelsächsischen und nicht-angelsächsischen
Musikstilen. Fünf Songs aus seinem 1988er Solo-Album „Nothing like The Sun“ veröffentlichte er auch gesungen auf Spanisch und Portugiesisch. Die ursprünglich aus Algerien stammende, heute in Frankreich unter Migranten sehr beliebte Volksmusik-Variante Rai popularisierte er durch eine im Duett mitdem Rai-Star Cheb Mami gesungene Version seines Songs „Desert Rose“, und auf seinem Album „Sacred Love“ spielte er zusammen mit der indisch-stämmigen Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar, Tochter der Woodstock-Legende Ravi Shankar.

Erfolg der Marke durch Unternehmertum

Ein vielseitig interessierter Mensch also, keine Frage. Und neuerdings auch ein erfolgreicher Unternehmer – in einer Branche, die mit Rockmusik nicht das Geringste zu tun hat. 2007 kaufte er ein Herrenhaus in der Toskana, und seit ein paar Jahren betreibt er dort ein Winzerei, zusammen mit seiner Frau Trudie Styler. Benannt hat er die dort gezüchteten Sorten nach seinen Songs, vermarktet werden sie unter anderem über eine spezielle Homepage seines „Sting Original Webshop“. Dort kann man beispielsweise einen „samtig-weichen“ Weißen namens „Message In A Bottle“ kaufen, einen „verspielten“ Roten mit dem Titel „When We Dance“ oder einen „vollmundigen“ Roten mit dem Titel „Sister Moon“. Letzterer genießt übrigens in der einschlägigen Fachwelt höchstes Ansehen: Der renommierte Weinkritiker James Suckling gab ihm in seiner Bewertung stolze 94 von 100 möglichen Punkten.

„Ein Wein ist wie ein Lied“

„Ein Wein ist wie ein Lied“, erläutert Sting, „er muss eine Geschichte erzählen. Deshalb habe ich meine Weine auch nach meinen größten Hits benannt.“ Bewusst baut er seine Weine biodynamisch an, nach der Methode des Anthroposophen Rudolf Steiner. Was natürlich zu seinen sonstigen Aktivitäten passt. Jahrzehntelang engagierte sich Sting auch für Frieden, Umweltschutz und Multikulturalismus, und nicht zuletzt diesem Einsatz ist es wohl auch zu verdanken, dass er im November 2016 eingeladen wurde, bei der Wiedereröffnung der Pariser Konzerthalle Bataclan zu spielen – dem Schauplatz des durch radikal-islamische Terroristen verübten Massakers ein Jahr zuvor. Die Gage spendete er für die Opfer des Anschlags. Und im Unterschied zu manchen anderen Rockstars, denen man ihr soziales und politisches Engagement einfach nicht abnimmt, wirkt Sting bei allem, was er macht, immer noch authentisch.

Ein Mensch also, der alles zu Gold macht, was er nur anfasst? In erster Linie wohl jemand, der ganz genau weiß, was er macht, und der es versteht, sich selbst sozusagen als Marke zu etablieren. Auf der Messe ProWein in Düsseldorf trat er letztes Jahr höchstselbst auf und intonierte live drei Songs, nachdem Gattin Trudie dort das gemeinsame Toskana-Weinprojekt vorgestellt und das versammelte Fachpublikum zur Verkostung eingeladen hatte.

Und mit Rockmusik und Weinherstellung ist das mittlerweile 68-jährige Allround-Talent, so scheint es, immer noch nicht zu hundert Prozent ausgelastet: Auch selbst produzierter Honig, exquisite Salami und Olivenöl finden sich inzwischen im Angebot des kleinen Hofladens, der zu dem Gutshof in der Toskana gehört. Sogar als Hotelier betätigt sich Sting: Feriengäste können etliche Zimmer des idyllisch gelegenen Anwesens mit dem schönen Namen „Il Palagio“ anmieten – zu durchaus zivilen Preisen.

Redaktion SÜDKURIER Alpha

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