Leisstungssportler Fabian Rießle über Höchstleistung

Olympiasieger Fabian Rießle über Höchstleistung

Zwischen Goldmedaillen und Tiefenentspannung im Schwarzwald – Der Olympiasieger in Nordischer Kombination Fabian Rießle verwandelt Leistungsdruck ganz gelassen in Podestplätze.

Da kommt er angeschlendert. Kurze Jeans, blau spiegelnde Sonnenbrille, bunte Turnschuhe. Fabian Rießle, Olympiasieger von Pyeongchang, auf dem Weg zum Interview in seinem Heimatort St. Märgen im Hochschwarzwald. Wenige Wochen nach der harten Saison mit den Olympischen Winterspielen in Südkorea kostet der Nordische Kombinierer (Skispringen und Langlauf) wie jeden April die seltene Freiheit aus, einmal Herr über seine Zeit zu sein. „Fast das ganze Jahr ist vollgestopft mit Training und Wettkämpfen. Nach der Saison lasse ich es da gerne ruhig angehen und faulenze auch mal den ganzen Tag auf dem Sofa“, grinst der Kaffeefreund und nippt draußen im Café Goldene Krone an seinem Cappuccino. Rechts die Wallfahrtskirche, gegenüber das Begrüßungsplakat für den prominenten Dorfbewohner: „Herzlichen Glückwunsch, Fabian Rießle“.

St. Märgen, das ist für den Spitzensportler Urlaub vom Wettkampfrummel, Pause vom Leistungsdruck. „Hier nervt mich keiner“, sagt er später beim Spaziergang durch den Ort. Entspannung pur, an jeder Ecke Späße mit alten Bekannten.

Fabian Rießle liebt den Leistungssport

Doch so sehr er die stressfreien Auszeiten in seinem Heimatort genießt. Fabian Rießle könnte ohne seine Sprung- und Langlaufski, ohne die Bewegung in der Winterluft gar nicht sein. Dazu macht ihm der Leistungssport immer noch zu viel Spaß. Eigentlich wollte er damit ja mit spätestens 25 Jahren Schluss machen. Das hatte er sich als 18-Jähriger vorgenommen. Jetzt ist er 27 und möchte sich auch bei den Olympischen Spielen in vier Jahren wieder die Ski anschnallen.

Will man den permanenten Erfolgsdruck nach über zehn Jahren Leistungssport nicht irgendwann abschütteln? Für Fabian Rießle stellt sich die Frage nicht. „Den Druck macht man sich ja immer selber. Aber wenn man im Wettkampf bei sich bleibt und seine beste Leistung zeigt, hat man eigentlich keinen Druck mehr.“ Das funktioniert natürlich nur, solange der sportliche Ehrgeiz ungebrochen ist. Das Geheimnis liege in der Balance zwischen dem Anspruch an sich selber und den eigenen Möglichkeiten. „Wenn man den Anspruch zu hoch ansetzt, macht man sich kaputt. Aber man darf ihn natürlich nicht zu niedrig ansetzen.“

In Südkorea waren sich Fabian Rießle und seine Teamkollegen Vinzenz Geiger, Eric Frenzel und Johannes Rydzek vor dem Mannschaftsgold einig: „Wenn jeder seine Leistung abruft, dann können wir es schaffen.“ Dass viele Medien die Erwartungen an die Nordischen Kombinierer aus Deutschland im Vorfeld so hoch geschraubt hatten, spielte für die Athleten dabei keine Rolle. „Wenn man beim Start schon an Medaillen denkt, geht es sicher schief“, weiß Fabian Rießle. Der erfolgsverwöhnte Skiprofi setzt da lieber auf seine bewährte Formel: fokussiert ins Rennen gehen und einfach sein Bestes geben.

Mehr Gelassenheit und weniger Leistungssdruck für den Nordischen Kombinierer

Diese Gelassenheit musste sich der bodenständige Leistungssportler erst erarbeiten. Zu Beginn seiner Karriere setzte er sich selbst stark unter Druck. War schnell frustriert, wenn beim Springen nicht klappte, was er sich vorgenommen hatte. Heute weiß er: „Am besten läuft es, wenn man gar nicht nachdenkt.“ Und es läuft oft gut: Mit seiner Kopffrei-Methode holte sich der Mannschaftssportler des Jahres 2015 bislang vier Olympia-Medaillen und zwei Weltmeistertitel. Das entschädigt für alle Entbehrungen auf dem Weg zum Podest. „Eine Olympia-Medaille kostet viel Schweiß, Nerven und Tränen. Man muss auf verdammt viel verzichten. Und wenn man dann da oben steht, die deutsche Hymne hört und diese Medaille in der Hand hat, ist das ein sehr schönes Gefühl, das man mit Worten nur schwer beschreiben kann.“

Und was treibt Fabian Rießle in zehn Jahren? Da lacht er mal wieder nur kurz. „Keine Ahnung. Vielleicht bin ich Trainer, vielleicht habe ich irgendwo ein Restaurant oder Bistro. Mal sehen.“ Da macht er sich keinen Druck.

Fabian Rießle ist ein Nordischer Kombinierer aus St. Märgen im Hochschwarzwald. Er geht für die Skizunft Breitnau an den Start und ist seit 2005 Teil des Nationalkaders. Zu seinen größten sportlichen Erfolgen zählen vier Olympia-Medaillen (einmal Gold und Bronze, zweimal Silber) und zwei goldene WM-Medaillen. Der 27-Jährige lebt in St. Märgen und Sonthofen, dort gemeinsam mit seiner Freundin, der Langläuferin Sandra Ringwald.

 

Fabian Rießle über:

Kaffee: „Das ist eine kleine Leidenschaft geworden. Vor zwei Jahren habe ich mir einen Siebträger gekauft, mit dem man ja sehr viel ausprobieren kann. Es macht mir Spaß, den Kaffee so hinzukriegen, dass er gut schmeckt. Besonders nach Reisen mit viel Filterkaffee freue ich mich immer auf den Kaffee aus der eigenen Maschine.“

Seine Familie: „Es ist sehr wichtig, dass man als Leistungssportler ein stabiles Umfeld um sich hat: Family, Trainer, Freundin. Menschen, die zu einem stehen, auch wenn es mal nicht so gut läuft. Wenn ich heimkomme, finde ich es schön, dass es dann nicht um Sport geht, sondern um ganz normale Dinge.“

Zufriedenheit: „Ich bin der Meinung, dass ich ein sehr schönes Leben führen darf. “

Seinen größten Wunsch: Dass meine Family und alle um mich rum gesund bleiben, und mit dem, was wir haben, glücklich sind. Das würd‘ mir schon reichen.“

Redaktion SÜDKURIER Alpha

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