Acht Thesen zur Arbeit der Zukunft

Acht Thesen zur Arbeit der Zukunft

Wie wird die Arbeit der Zukunft aussehen? Manfred Dangelmaier vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation formuliert dazu acht Thesen.

Niemand kann die Zukunft exakt vorhersagen, doch anhand von Daten und Erfahrungen können Experten fundierte Annahmen treffen. Manfred Dangelmaier vom IAO in Stuttgart hat acht Thesen zur Arbeit der Zukunft aufgestellt:

Die Arbeit der Zukunft wird flexibler und turbulenter

Wir bewegen uns jetzt schon in einem turbulenten Umfeld mit viel Wandel. Für Arbeitnehmer und Unternehmen heißt das, dass sie künftig noch beweglicher und agiler sein müssen. Um etwa gute Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, sind für Unternehmen flexible Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten unerlässlich. Umgekehrt brauchen Arbeitnehmer in einem globalisierten System gerade in den Bereichen Fertigung oder Projekt- und Auftragsgeschäft eine hohe Beweglichkeit. Eine wichtige Spielregel bleibt für Unternehmen und Arbeitskräfte aber unverändert: Die Qualität von Arbeit und Arbeitsbedingungen muss stimmen.

Selbstmanagement ist die neue Schlüsselqualifikation

Arbeitskräfte müssen sich stärker selbst organisieren in einem dynamischen Umfeld, in dem immer mehr Menschen mehrere Jobs haben. Eigenverantwortung ist daher die Devise der Zukunft. Jeder sollte seine Grenzen kennen und sich nicht bis zum Burnout aufreiben lassen. Für den einzelnen heißt das, dass er zum Beispiel selbst entscheidet, ob er am Wochenende in die Geschäftsmails schaut oder sich eine echte Pause gönnt. Ein anderes Beispiel: Weiterbildung. Arbeitskräfte brauchen die Bereitschaft und die Fähigkeit, selbstorganisiert zu lernen. Neben den Unternehmen müssen die Angestellten selber aktiv werden, um am Ball zu bleiben.

Firmen benötigen Spielfelder, um Ideen unkompliziert zu testen.

Starre Strukturen lähmen in Konzernen und streng hierarchisch organisierten Firmen die Innovationskraft. Agilere Strukturen und Prozesse im Kernunternehmen, Spinoffs und Startups geben behäbigen Organisationen die nötige Agilität, die das zunehmend dynamische Umfeld verlangt. Wir werden daher künftig mehr dieser Spielfelder sehen.

Für Führungskräfte wird Kommunikationstalent wichtiger als Fachwissen

Führen wird schwieriger, denn Fachwissen reicht hierfür schon lange nicht mehr aus. Besonders wichtig wird die Kommunikationsfähigkeit: Führungskräfte müssen es schaffen, mit Menschen zu reden, ihnen zuzuhören und sie richtig einzuschätzen. Eine große Umstellung für viele ist, Menschen zu führen, die von einer Sache mehr verstehen als sie selbst. In einem zunehmend interkulturellen Umfeld müssen Führungskräfte ganz unterschiedliche Individuen zusammenbringen und Konflikte eindämmen. Um gute Teamergebnisse zu ermöglichen, werden interdisziplinäre und systemische Denkansätze out of the box immer wichtiger.

Heterogene Belegschaften erfordern viel Fingerspitzengefühl

Früher waren die Belegschaften homogener. Heute sind sie so vielfältig und durchmischt, dass der richtige Umgang mit vielen unterschiedlichen Typen Mensch eine große Herausforderung ist. Unternehmen und ihre Führungskräfte müssen es durch Fingerspitzengefühl schaffen, mit zunehmender Diversität und Individualisierung richtig umzugehen.

Unternehmen müssen die digitale Transformation vorantreiben

Erfolgreiche Firmen werden sich systemisch ausrichten und die technologische, organisatorische und personelle Innovation zusammen vorantreiben. Jetzt sind die Unternehmen gefordert, Strukturen für die digitale Transformation schaffen, um weiter in der Spitzenliga mitzuspielen. Ich frage mich, ob wir wirklich schnell genug unterwegs sind Richtung Industrie 4.0. Gerade Mittelständler haben Angst, durch digitale Vernetzung Kompetenzen zu verlieren. Doch sie haben keine Wahl, wenn der Markt diese Vernetzung fordert und müssen auf der Hut sein, in globalen Märkten nicht den Anschluss zu verlieren.

Der Südwesten hat das Problem des Erfolgs

Es sieht für die baden-württembergische Industrie derzeit zwar so aus, als ob man mit einem „Weiter so“ auch künftig gut zurechtkommt. Es kann aber sein, dass manche Säule künftig an Tragkraft verliert, etwa die Automobilindustrie. Wir brauchen im Südwesten deshalb neue Säulen, mehr Silicon Valley etwa, wie es SAP vormacht. Denn im Digitalen müssen wir uns stärker engagieren als bisher.

Der Mensch wird trotz künstlicher Intelligenz nicht überflüssig

Manche Jobs werden wegfallen, weil Maschinen sie deutlich besser erledigen. Menschliche Arbeit bleibt aber trotz künstlicher Intelligenz gefragt. Denn lernenden Systemen fehlt es an Universalintelligenz. Sie können nur begrenzte Aufgaben besser, für die sie ausgelegt und trainiert wurden. Wenn es darum geht, sich schnell und einfach auf Neues einzustellen, ist der Mensch unübertroffen. Auch bei Innovation und sozialen Belangen kann ihn keine Maschine ersetzen. Wer den Stand der künstlichen Intelligenz an seinem Rechner überprüfen will, muss sich nur mit Sprachassistenten wie Alexa oder Siri unterhalten, um zu sehen: Manches klappt schon ganz gut, aber manchmal sind sie wirklich strohdumm.

Die Arbeit der Zukunft wird also turbulenter, vielschichter und herausfordernd. Doch der Mensch bleibt trotz Digitalisierung und künstlicher Intelligenz unersetzlich.

Doktor Manfred Dangelmaier ist Leiter Wissenstransfer, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart.

Redaktion SÜDKURIER Alpha

Redaktion SÜDKURIER Alpha

SÜDKURIER Alpha bündelt als Content Marketing Redaktion innovatives Expertenwissen für authentische Inhalte und mediales Storytelling auf allen Kanälen.