Künstliche Intelligenz: KIT-Professor entwickelt Haushalts-Roboter

Künstliche Intelligenz: KIT-Professor entwickelt Haushalts-Roboter

Tamim Asfour möchte den Menschen das Leben erleichtern: Der Experte für künstliche Intelligenz forscht an einem Roboter, der bügelt, staubsaugt und den Geschirrspüler ausräumt. Sein Name: ARMAR-6.

Wenn es ans Tisch abräumen geht, denkt Professor Tamim Asfour wie alle. Wär‘ doch schön, wenn das ein anderer machen könnte. Der Karlsruher Forscher ist ein geselliger Typ, der sich beim Grillen, Essen oder Feiern lieber mit seinen Gästen unterhält, als mit Tellerstapeln in der Küche zu verschwinden.

Während die meisten ihr Leben lang von einer fleißigen, unaufdringlichen Küchenhilfe träumen, ist Asfour längst dabei, sich diesen Wunsch zu erfüllen: Seit 20 Jahren entwickelt er Roboter, die einmal so vielseitige Aufgaben erledigen sollen wie der Mensch. Putzen, kochen, Tisch decken, bügeln. Auch in Fabriken und gefährlichen Umgebungen sollen sie arbeiten können. Der technische Assistent, von dem Asfour, der Leiter des Lehrstuhls für Hochperformante Humanoide Technologien am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), träumt, wird dem Menschen alle ungeliebten und riskanten Aufgaben abnehmen. „Oder mir einfach ein Bier aus dem Kühlschrank holen, wenn ich ein spannendes Fußballspiel anschaue“.

ARMAR-6: Der Mensch als Vorbild für den Roboter

Bei aller Begeisterung für Roboter, Asfours großes Vorbild ist der Mensch. Es sind vor allem die Vielseitigkeit und die Eleganz der menschlichen Bewegungen, die den gebürtigen Syrer faszinieren. Von denen sind Roboter heute noch weit entfernt.

Durch genaue Beobachtung versucht er nun, mehr von der beeindruckenden Bewegungsperformanz und motorischen Koordination beim Menschen zu verstehen. Warum kann ein Mensch mühelos und sicher eine Stricknadel greifen oder Treppen steigen? „Aus unserer Sicht sind das triviale Aufgaben. Aber will man es einem Roboter beibringen, ist das eine riesige Herausforderung“, analysiert Asfour die große Lücke zwischen Mensch und Maschine.

Am meisten beeindruckt ihn die Leistung der menschlichen Hand. „Wir können jedes Objekt sicher greifen. Können optische und haptische Informationen kombinieren, um Gegenstände eleganz zu fassen: einschenken, Gemüse schneiden, Koffer tragen, Türen öffnen“, schwärmt Asfour. So gut sollen das seine lernenden Maschinen auch einmal können.

Der neueste Roboter der von Asfour entwickelten ARMAR-Familie heißt ARMAR-6. Er ist besonders gut darin, Mechatronik, Informatik und künstliche Intelligenz zu vereinen. Vor seinem Auftritt auf der CEBIT war er aber nicht als Haushaltshilfe in Ausbildung, sondern arbeitete als Servicetechniker im automatisierten Lagerhaus eines britischen Online-Shops.

Hier lernte ARMAR-6, wie er Werkzeuge für unterschiedliche Aufgaben greifen muss. Und wie er ganz allein erkennt, wann ein Techniker Hilfe benötigt, um diese dann anzubieten.

Roboter bleiben Maschinen

Zwar will Asfour seine Roboter bald als Helfer in Küche, Ess- und Wohnzimmer sehen. Doch sollen seine Assistenten nicht wie Menschen wirken, sondern reine technische Geräte bleiben.
„Ich lege großen Wert darauf, dass man die Maschinen immer als Maschinen erkennt“, stellt der 50-Jährige klar. Der Mensch solle unverwechselbar bleiben und an vorderster Stelle stehen. „Mit meiner Forschung will ich ja die Lebensqualität und Arbeitsqualität von Menschen verbessern“, betont Asfour. Und entwickelt deshalb gemeinsam mit Ärzten auch Exoskelette. Das sind Roboteranzüge, die körperliche Schwächen ausgleichen oder den Körper noch leistungsfähiger machen. Schneller laufen, schwerere Lasten tragen, flinker tippen.

Bis in den Haushalten die ersten Roboter arbeiten, die mehr können als Staubsaugen oder Rasenmähen, werden nach Asfours Einschätzung noch einige Jahre vergehen. „Wir brauchen noch eine Menge Fortschritte, um Roboter als echte Assistenten in einer menschlichen Umgebung einzusetzen“, bremst Asfour allzu hohe Erwartungen.
Doch er ist zuversichtlich, dass in den nächsten zehn Jahren Teilkomponenten dieser Roboter marktreif sein werden. „So ein Roboter wäre dann etwa spezialisiert darauf, den Tisch abzuräumen oder Essen zuzubereiten“, skizziert Asfour mögliche Aufgabenfelder.

Von der menschlichen Vielseitigkeit ist das noch weit entfernt. Für viele Menschen aber wäre es der Beginn eines großen Traums.

Prof. Dr. Tamim Asfour entwickelt und baut menschenähnliche Roboter am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dort leitet er den Lehrstuhl für Hochperformante Humanoide Technologien (H²T) am Institut für Anthropomantik und Robotik.

Redaktion SÜDKURIER Alpha

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