Influencer porfessionalisiert sich

„Influencer Marketing professionalisiert sich“

Nahezu jede Branche profitiert von Influencer Marketing, davon ist Sven Wedig, CEO bei Vollpension Medien, überzeugt. Bei der Wahl des richtigen Influencers helfen ihm Analysen und – eine Ente.

Wann macht eine Influencerkampagne für ein Unternehmen Sinn?

Mit der richtigen Strategie immer, aus meiner Sicht. Influencer Marketing kann ein toller Treiber der gesamten Marketing Klaviatur sein. Wichtige Voraussetzung ist eine klare Fokus-Persona des Werbetreibenden.

Wie findet ein Unternehmen den passenden Influencer?

Auf unterschiedlichen Ebenen. Die erste ist sicherlich eigenständige Recherche, bezogen auf Themen, Keyword, Umfelder, Orte oder ähnliches. Orientiert an der klaren Persona sollte man also für jeden Bereich relevante Meinungsmacher identifizieren können. Weitere Ebenen sind dann Tools, Media Screenings oder über Relations sogar eigene Datenbanken.

Worauf sollte man bei der Wahl des Influencers achten?

Die Auswahl des Influencers folgt immer am Schluss. Wir sprechen hier von einem „Am Ende kackt die Ente“-Modell! Themen wie Zielgruppe, Zieldefinition, Plattformauswahl und Kreation stehen demnach vor der Auswahl. Wenn man diese Schritte durchläuft findet man fast von alleine den passenden Influencer. Zum Schluss wird der finale Brand Fit geprüft und, aus meiner Sicht, auch die persönlichen Werte.

Welche Influencer nehmen Sie als Agentur in Ihr Portfolio auf?

Neben allen Kriterien wie Data, Analytics oder Zielgruppenmatch steht für uns auch der Offline-Wert des Influencers im Vordergrund. Kleiner Geheimtipp: Laden sie den Influencer offline ein, zum Essen und Trinken. Im persönlichen Benehmen trennt sich meist die Spreu vom Weizen.

Für welche Branchen ist Influencer Marketing interessant?

Für absolut alle, deren Kunden online und mobil unterwegs sind. Ich glaube, es gibt keine Branche mehr – egal ob B2C oder B2B – wo das nicht der Fall ist.

Wo liegen die Risiken bei einer Kooperation mit einem Influencer?

Ein Hauptrisiko sind die rechtlichen Rahmenbedingungen. Wir haben viele Werbetreibende gesehen die mit eher geringem Knowhow in mittlere Katastrophen gestürzt sind. Und eine Agentur wie wir muss ja auch einen USP haben: Wir können auf Basis unserer Erfahrungen Risiken ausschließen. Am Ende bleibt es Marketing mit Menschen, das sollte nicht vergessen werden.

Wo sehen Sie die wichtigsten Trends?

2020 sicherlich in neuen Plattformen, wie TiKTok, und in der crossmedialen Ausrichtung der Influencer. Sie werden nicht mehr nur digitale Meinungsmacher sein, sondern sich immer mehr zu globalen Marken entwickeln.

Mikro-Influencer, virtuelle Avatare, oder Bibis Beauty Palace – wo sehen Sie künftig die einflussreichsten Meinungsführer?

Es wird in jedem Bereich Treiber geben und Personen mit mehr oder weniger Erfolg. Der Markt professionalisiert sich. Das ganze Phänomen hat der globale Zeitungsmarkt auch erlebt: Einige Formate sterben, Nischen wachsen, Superstars werden noch größer. Pauschal zum Beispiel von einem Trend Richtung Mikro-Influencer zu reden ist aus meiner Sicht Unsinn. Am Ende reden wir hier vor allen Dingen aus einfachen mathematischen Gründen von einer höheren Engagement Rate, die Argumentation hinkt hier also.

Influencer Marketing oder Influencer Relations?

Beides. Relations binden sicher mehr Ressourcen, das muss dem Werbetreibenden klar sein.

Welche sozialen Medien haben besonders viel Potenzial?

Solange die Digitalisierung und die digitale Nutzung von Contents weiter steigt, und das wird sie, hat jedes soziale Medium einen Platz am Markt. Auch hier wird es spannende neue Plattformen geben und alte, etwas angestaubte, werden sich neu ausrichten. Interessant ist zu beobachten, wie der Kunde sich in diesen Medien verhält und wie nah ich als Influencer oder Werbetreibender an der Zielgruppe dran bin.

Für welche Alters- oder Zielgruppen sind Influencer relevant?

Digitale Mundpropaganda ist doch für jedes Alter etwas. Meine Großmutter folgt sehr relevanten Landwirtschaftsarchitekten, die sicher einige Kaufentscheidungen beeinflussen. Meine zehnjährige Tochter lernt aktuell das abstrakte Zeichnen via TikTok; wenn Sie wüssten, wie viele verrückte Stifte wir schon kaufen mussten.

2019 veröffentlichten Sie in Zusammenarbeit mit der HTW Berlin eine Studie zum Erfolgsrezept „digitaler Superstars“– was sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie daraus gewonnen haben?

Aus meiner Sicht ist es die fast gleiche Gewichtung von Privaten und beruflichen Inhalten. Alle Superstars haben hier eine sehr schöne Balance. Ebenso die Häufigkeit: Es geht glücklicherweise nicht mehr darum, quantitativ am Maximum zu arbeiten, sondern vor allem an der Qualität des Contents. Hier liefern die Top-Stars relevante Erkenntnisse, denn sie investieren viel Zeit und Geld in Ihren Content.

Warum sollte sich ein Unternehmen sich in seinem Marketing Mix nicht nur auf Influencer beschränken?

Weil aus meiner Sicht erst die Synchronisation aller Disziplinen die wirklichen Effekte erzielt.

Inwieweit hat Influencer Marketing seinen Höhepunkt schon überschritten?

Ich liebe diese Frage. Versuchen wir es mal andersherum: Werden Menschen weniger Handys benutzen? Werden weniger digitale Inhalte konsumiert? Werden Menschen in ihrer Tiefenpsychologie weniger anderen Menschen folgen und sich an ihnen orientieren wollen? Wenn Sie alle drei Fragen bejahen können ist das Influencer Marketing quasi schon tot. Ich gehe allerdings davon aus, dass Sie mindestens eine Frage verneint haben. Das beweist, dass wir wohl eher noch am Anfang des Influencer Marketings stehen.

Seitdem er 2013 die Vollpension Medien GmbH gegründet hat, ist Sven Wedig gefragter Experte und Speaker für alle Influencer-Marketing-Themen. Seine Karriere begann er als Assistent des Korrespondenten im Weißen Haus. Es folgten weitere berufliche Stationen wie die Telekom Deutschland und die Autobahn Tank & Rast. Die stetige crossmediale Fokussierung machte ihn zum Experten für Marketing- und Kommunikation.
Stella Sussner

Stella Sussner

Redakteurin SÜDKURIER Alpha

Intellektuell wie kreativ sucht Stella Sußner die Herausforderung. Dabei lebt und arbeitet die ausgebildete Journalistin crossmedial mit dem Zeitgeist – grenzüberschreitend und mobil.